Ovenhausen (red). Mit einer stillen, aber eindringlichen Protestaktion haben Mitarbeitende und Eltern der katholischen Kindertageseinrichtung Maria Salome in Ovenhausen auf den aktuell im Landtag beratenen Gesetzentwurf zur Überarbeitung des Kinderbildungsgesetzes (KiBiz) reagiert. Unter dem Leitmotiv „Wir sind sprachlos“ machten sie auf ihre wachsende Verunsicherung und Enttäuschung aufmerksam – bewusst ohne Reden oder Parolen, dafür mit Plakaten und begleitenden Informationstexten.
Die Aktion fand im Rahmen einer Kampagnenwoche statt, zu der Mitarbeitervertretungen und Träger katholischer Kindertageseinrichtungen im Erzbistum aufgerufen hatten. Während frühere Proteste oft laut und kreativ gewesen seien, habe man sich diesmal für demonstrative Stille entschieden. Diese sei jedoch keineswegs als Zustimmung zu verstehen, sondern solle verdeutlichen, wie tief die Sorge über die geplanten Änderungen reiche.
Kritik an geplanten Zeitmodellen
Im Zentrum der Kritik steht insbesondere die vorgesehene Aufteilung der Öffnungszeiten in sogenannte Kern- und Randzeiten. Aus Sicht der Beteiligten könne das auf den ersten Blick flexibel wirkende Modell in der Praxis zu häufig wechselndem Personal führen. Gerade für kleine Kinder sei jedoch eine konstante Bindung zu vertrauten Bezugspersonen entscheidend. Wechselnde Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner könnten dieses Bedürfnis nicht erfüllen.
Zudem sehen die Mitarbeitenden den wichtigen Austausch mit Eltern gefährdet. Die täglichen „Tür-und-Angel-Gespräche“ beim Bringen und Abholen der Kinder seien ein zentraler Bestandteil der pädagogischen Arbeit. Durch die neuen Zeitstrukturen drohe dieser persönliche Kontakt eingeschränkt zu werden – „mit negativen Folgen für die individuelle Förderung der Kinder“, wie es von den Mitarbeitenden der Kita aus Ovenhausen heißt.
Finanzielle Sorgen kleiner Einrichtungen
Ein weiterer Schwerpunkt der Kritik betrifft die finanzielle Ausstattung der Einrichtungen. Insbesondere kleinere Kitas mit ein oder zwei Gruppen stünden bereits jetzt unter erheblichem Druck. Das bestehende Finanzierungssystem reiche aus Sicht der Beteiligten nicht aus, um den Betrieb langfristig zu sichern.
Gerade im ländlichen Raum erfüllten diese Einrichtungen jedoch eine wichtige soziale Funktion. Sie seien Treffpunkte für Familien und ein zentraler Bestandteil des Gemeinschaftslebens. Ihr Erhalt sei daher von großer Bedeutung für Dörfer und Stadtteile.
Bildungsauftrag in Gefahr gesehen
Darüber hinaus äußern die Protestteilnehmenden die Sorge, dass der Bildungsauftrag der Kindertageseinrichtungen im Gesetzentwurf nicht ausreichend berücksichtigt werde. Kitas seien weit mehr als reine Betreuungsorte. Sie vermittelten Werte, stärkten soziale Kompetenzen und legten wichtige Grundlagen für den weiteren Lebensweg der Kinder.
Der vorliegende Entwurf werde diesem Anspruch aus Sicht der Beteiligten nicht gerecht. Die pädagogische Qualität drohe hinter strukturellen und organisatorischen Veränderungen zurückzustehen.
Steigende Kosten verschärfen Lage
Zusätzlich werde die Situation durch steigende Kosten verschärft. Energiepreise sowie Ausgaben für Instandhaltung und Reparaturen seien deutlich gestiegen, während die Zuschüsse des Landes nicht im gleichen Maße angepasst worden seien. Dies führe dazu, dass vielerorts finanzielle Mittel für notwendige Maßnahmen an Gebäuden und Ausstattung fehlten.
Die Beteiligten fordern daher eine Finanzierung, die sich an den tatsächlichen Kosten orientiert und den Einrichtungen Planungssicherheit bietet. Nur so könnten Kitas langfristig als sichere und attraktive Orte für Kinder erhalten bleiben.
Ob und in welchem Umfang die politischen Entscheidungsträger auf die vorgebrachte Kritik reagieren werden, bleibt nach Einschätzung der Mitarbeitenden offen.
Foto: KITA Maria Salome Ovenhausen